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Denkmalschutz und energetische Renovation 
Die Renovation von schützenswerten Gebäuden ist in vieler Hinsicht eine grosse Herausforderung. Besonders bekannt sind die angeblichen Interessenskonflikte zwischen Energieeffizienz und Denkmalschutz. CPI, die Weiterbildungsplattform für nachhaltiges Dämmen der Firma Saint-Gobain ISOVER AG, will zeigen, dass diese häufig pragmatisch gelöst werden können.

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Saint-Gobain ISOVER AG versteht es als ihre Aufgabe, Fachwissen rund ums Dämmen sachlich und objektiv weiterzugeben und Veranstaltungen zu Themen zu organisieren, welche die Fachleute in ihrer täglichen Arbeit beschäftigen. Mit dem Centre Professionelle ISOVER (CPI) bietet der Dämmstoffhersteller eine Plattform für den Wissens- und Erfahrungsaustausch mit Fachleuten aus Forschung und Entwicklung, Produktion, Planung und Verarbeitung an. So zum Beispiel am letzten Expertentag für Architekten zum Thema «Energetische Renovation von schützenswerten Gebäuden».

Das Interesse des Publikums war gross, denn klingende Namen wie Denkmalpfleger Michael Gerber (Amt für Kultur Bern), Architektin Nicole Müller (CSD Ingenieure AG), Architekt Karl Viridén (Viridén + Partner AG), Hochbautechniker Roger Trottmann (Metron AG) und Architekt Reto Miloni (Architekturbüro Miloni + Partner) lieferten interessante Präsentationen und viel Gesprächsstoff.

Denkmalpflege und Energieeffizienz: Miteinander statt Gegeneinader

Die Denkmalpflege begleitet die bauliche Weiterentwicklung der schützens- und erhaltenswerten Gebäude – für etwa sieben Prozent aller Gebäude ist der Kanton zuständig, für weitere drei Prozent die Gemeinden. Ziel ist es, wichtige Bauten mit ihren vielschichtigen Zeitspuren an künftige Generationen weiterzugeben und so gemeinsame Erinnerungen zu bewahren. Geht zu einem Objekt aus dem Bauinventar ein Baugesuch ein, äussert sich die Denkmalpflege dazu in einem Fachbericht zu Handen der Baubewilligungsbehörde. Diese Empfehlungen bringt der Denkmalpflege den Ruf einer Verhinderer-Behörde ein: «Die Baubewilligungsbehörde orientiert sich einzig an diesem Bericht», ist häufig zu hören. Dem widerspricht Michael Gerber, Denkmalschützer aus dem Kanton Bern: «Der Fachbericht des Denkmalschutzes ist nur ein Aspekt des Baubewilligungsverfahrens und wird nicht höher gewichtet als die Energieeffizienz.»

Gerber plädiert für mehr gegenseitiges Verständnis und einen früheren Einbezug der Denkmalpflege. «Jedes schützenswerte Gebäude ist ein Einzelfall mit Eigenheiten und Spezialitäten, deshalb braucht auch jedes Gebäude eine individuelle Lösung». Die Denkmalpflege verfüge über wichtiges Fachwissen zum Sanieren von schützenswerten Gebäuden, von dem Planer und Bauherren profitieren können. Gemeinsam könne eine Sanierung geplant werden, die allen Anforderungen gerecht werde, wie er am Beispiel der Schlossscheune Jegenstorf ausführt. Häufig werde die Denkmalpflege jedoch erst einbezogen, wenn die Planung schon weit fortgeschritten sei und die Bauherrschaft klare Vorstellungen über Sanierungsmassnahmen habe – die Bereitschaft für Anpassungen sei dann häufig klein.

Die Problematik der Erhaltung von schützenswerten Gebäuden und der gleichzeitigen energetischen Sanierung ist auch Nicole Müller von der CSD Ingenieure AG gut bekannt: Sie ist Mitautorin der Publikation «Energie und Baudenkmal». Auch sie stellt fest: «Sowohl auf Seiten der Denkmalpflege als auch bei Planern, Handwerkern und Bauherren ist zu wenig gegenseitiges, praxisorientiertes Wissen vorhanden. Deshalb braucht es eine gegenseitige Wissensvermittlung.» Das Ziel von allen Partnern sei nämlich das gleiche: ein schonender Umgang mit Ressourcen.

Auf einer gemeinsamen Grundlage bauen

Dass Denkmalschutz und energetische Sanierung «Miteinander» funktionieren, zeigen diverse preisgekrönte und prestigeträchtige Beispiele. Die Metron AG sanierte den Hauptsitz der Alternativen Bank Schweiz in Olten nach den Vorgaben von MINERGIE-P und weiteren Standards für Energieeffizienz und für gutes Innenraumklima. Ein zusätzliches Ziel war, die neuklassizistische Fassade von 1924 vollständig zu erhalten: die Planer haben sich deshalb für eine umfassende Innendämmung entschieden, die nicht nur die Aussenwände, sondern auch das Dach und den Kellerboden umschliesst. Dass die Sanierung gelungen ist, zeigt die erfolgreiche MINERGIE-P-Zertifizierung, die bei Renovationen nur schwer erreichbar ist.
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Viridén + Partner AG hat unter anderem mit der Null-Wärmeenergiesanierung an der Feldbergstrasse in Basel auf sich aufmerksam gemacht. Die Anliegen der Denkmalschützer seien dabei so gut wie möglich einbezogen worden, erklärt Karl Viridén. Weil sich das Gebäude in der Basler Schonzone befindet, wurde der Charakter der Aussenfassade strassenseitig möglichst erhalten – die Fassade wurde nur durch eine zusätzliche Dämmebene von 20 cm ergänzt. Hofseitig wurden verschiedene Wärmebrücken der Brandschutzwände saniert oder durch das Ersetzen der Balkone gelöst. Um den gesamten Wärmebedarf für Heizen und Warmwasser abzudecken, wurden zusätzlich Sonnenkollektoren und eine Photovoltaikanlage auf dem Dach montiert und anstelle der Erdöltanks wurden Wärmespeicher installiert. Damit ist die Energiebilanz des Gebäudes neutral. Die nächste Herausforderung für Viridén + Partner AG ist nun das Umsetzten eines Plusenergiehauses. Neben einer 100 Prozent regenerativen Energieversorgung und einem emissionsfreien Betrieb zeichnen sich diese durch eine positive Energiebilanz aus.

Die Vision des Plusenergiehauses treibt auch das Architekturbüro Miloni + Partner an. «Die Architektur wird zum Schlüssel für Klimaschutz: Gebäude werden zu Kraftwerken», ist Miloni überzeugt. Der Königsweg sei eine effiziente Energienutzung durch optimalen Wärmeschutz und eine schlanke Haustechnik, kombiniert mit erneuerbaren Energien, allen voran die Nutzung der Sonne. Dafür brauche es «eine vernünftige Balance zwischen Denkmalpflege und energetischen Eingriffen. Voraussetzung dafür ist der gegenseitige Respekt und das Denken über längere Zeiträume», schliesst Miloni.

Gemeinsam eine Baukultur erhalten

«Mit individuell angepassten Massnahmen kann grundsätzlich jedes geschützte Gebäude sinnvoll energetisch saniert werden» sind sich sowohl Michael Gerber, als auch Karl Viridén, Reto Miloni, Roger Trottmann und Nicole Müller einig. Die Vorstellungen aller Beteiligten gehen dabei aber teilweise weit auseinander. Um die gegenseitige Wissensvermittlung zu fördern und allen eine gemeinsame Diskussionsgrundlage zu bieten, entwickeln die Denkmalpflege der Kantone Bern und Zürich nun das Handbuch «Energie und Baudenkmal». In diesem sollen Fakten aus allen Themenkreisen gesammelt und für eine sachliche Diskussion zusammengestellt werden. Bei der Entwicklung helfen die verschiedensten Partner aus den Bereichen Energie und Baudenkmal mit. Eine erste Fassung soll Anfangs 2012 online gestellt werden und so allen Beteiligten von Architekten, Denkmalpflegern bis Zimmerleuten als Grundlage zur Verfügung stehen. Fragen und Probleme im Bereich Energie und Baudenkmal können damit in einem grösseren Zusammenhang aufgezeigt und in einer sachlichen Diskussion behandelt werden. Miteinander statt Gegeneinander: Ein Leitsatz der dann leichter fallen sollte.

Architektentag 2012: Nachhaltigkeit im Bauwesen

Der nächste CPI-Expertentag für Architekten findet zum Thema «Nachhaltigkeit im Bauwesen» am 29.2.2012 in Aarau statt.

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